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Spanisches Temperament begeisterte

Von Lutz Gallinat

Bad Schwartau - Dass auch die vermeintlich kühlen Norddeutschen sich für das spanische Temperament begeistern können, bewies Christian Füllgraffs mitreißende Soiree „La guitarra espanola" - „Musica para la guitarra flamenca y classica" im Museum der Stadt Bad Schwartau, präsentiert von der „Ostseepraxisklinik".

Der gebürtige Bad Schwartauer Christian Füllgraff (Köln) bot zauberhafte Stücke spanischer Komponisten wie von Isaac Albeniz (1860-1909), Enrique Granados (1867-1916), beide herausragende Vertreter der neuen katalanischen Musik, und ei­ne Vertonung aus dem Gedichtband „Romancero gitano" (1928, dt.1953) des spanischen Lyrikers und Dramatikers Federico Garcia Lorca (1898-1936), einer poetischen Vision der Zigeunerwelt mit ihrer wilden Leidenschaft. Er beherrschte das Flamencogitarrenspiel und das der klassischen spanischen Gitarre meisterhaft und gestaltete die Stimmungen und vielen Facetten und Nuancen der rassigen Gitarrenmusik, teils melancholisch, meditativ und besinnlich, teils fröhlich und feurig. Er wurde einfühlsam, virtuos und brillant von Thorsten Jahnke (Rostock) begleitet, der ausdrucksvoll und beherzt die Texte sang.

Ein Höhepunkt war der Flamencotanz von Ulla Benninghoven (Lübeck), die mit spanischer Grandezza und Stolz diesen stark rhythmisierten und ritualisierten Tanz bot. Leidenschaftlich gestaltete die Künstlerin die Solotänze, unter anderem Rumbas und Tangos, einen traditionellen spanischen Flamencotanz, wobei sie den Takt dazu mit den Füßen stampfte oder mit den Händen schlug und so eine Art Kastagnettenwirbel erzeugte.

Eigenheiten aus der Musik der Roma, arabische, indische und spaniolisch-synagogale Elemente trugen zu den verschiedenen Formstrukturen dieser andalusischen Folklore bei. Besungen wurden Liebe und Tod, Schuld und Sühne.

Alle Akteure wurden mit lang anhaltendem Beifall bedacht, für den sie sich mit zwei Zugaben bedankten.

Lübecker Nachrichten 16.12.2009




KREISZEITUNG WESERMARSCH

Das Instrument wie eine Geliebte umgarnt

Christian Füllgraf: Intensiver und abwechslungsreicher Einblick in spanische Gitarrenmusik

Seefeld (kw). Absolvent der Musikhochschule Lübeck auf der klassischen Gitarre und Dozent für klassische Gitarre ist er: Als begeisternder Konzertgitarrist und überzeugender Werber für die Schönheit spanischer Musik hat sich Christian Füllgraf aus Köln in der Seefelder Mühle präsentiert.

Im Gepäck zwei akustische Gitarren und eine nur leicht verstärkende Übertragungsanlage: So legte der Musiker, der vom Erscheinungsbild überhaupt nicht Spanisches an sich hat, los. Einen "andalusischen Tanz" von Enrique Granados, ursprünglich fürs Klavier geschrieben, gab es zum Einstieg. Melodiös und von zurückhaltendem Rhythmus markierte das Stück die eine Seite des Konzerts. Lyrisch, besinnlich, aber keineswegs einfach oder von geringem Anspruch handelte es sich um Musik zum Träumen.

Dabei hätte man allerdings den Anblick des Musikers verpasst. Christian Füllgraf spielt nicht auf der Gitarre, er spielt mit ihr und um sie herum. Sein ganzer Oberkörper schien sich um das Instrument winden zu wollen, das er im Arm wiegte wie ein Geliebte. Ebenso präzise wie gefühlvoll glitten die Finger über die Saiten und erzeugten einen wundervollen Klang. Seine Augen blickten in imaginäre Räume oder waren über lange Zeit geschlossen: Dieser Mann fühlt die Musik und spielt sie als ganze Person.

Es folgte ein Fandango, also eine Variante des Flamenco, bei der schnelle Tonfolgen, häufige Tremoli und mitreißender Rhythmus die andere, temperamentvolle Seite Spaniens anklingen ließen. Sehr komplex und abwechslungsreich auch dieses Stück, das die Müdigkeit des Tages auf einen Schlag vertrieb.

Das Stück über die Stadt Cadiz klingt wieder träumerisch, impressiv. Sehr melodiös erweckt es Bilder der Sehnsucht im Zuhörer - sehr passend, so mitten in der Urlaubssaison. Anschließend eine 500 Jahre alte Sabica, bei denen der Gitarrist seine erste Stimme vielfingerig begleitet. Der unkundige Zuschauer vermutet, dass er irgendwo einen Assistenten versteckt haben muss, so schnell wirbeln die Hände über Korpus und Hals des nur sechssaitigen Instruments.

Höchste Ansprüche

Das düsterste Stück des Abends heißt "Invocation y danza" und stammt von dem berühmten spanischen Komponisten Joaquin Rodrigo. Rhythmik, Akkorde, Tonart - alles addiert sich zu einem Stück, das von Unheil kündet und nur passagenweise Entspannung verheißt. An den Interpreten stellt es höchste Ansprüche, denen Füllgraf scheinbar mühelos genügt.

Das übernächste Stück, das letzte vor der Pause, ist das bekannte "Asturias" von Isaac Albeniz. Künstler und Publikum brauchen die Pause; Christian Füllgraf ist die Anstrengung anzumerken, die Zuschauer wollen die Eindrücke setzen lassen.

Nach der Pause geht es mit Albeniz weiter, dieses Mal mit einer Ode ans andalusischs "Cordoba". Es folgen ein weiterer Flamenco ("Solearis") und dann eine "Columbiana", ein Stück, das durch den Kontakt spanischer Seefahrer mit den Rhythmen Lateinamerikas geprägt ist. Dazu noch "Bulerias", Stücke spanischer Zigeuner und so weiter.

Das Publikum ist restlos begeistert, der Musiker kommt um eine Zugabe nicht herum und wird hoffentlich wieder einmal die Mühle besuchen.

 

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